Biography
Alev’s Story - Re-Told
Stell’ dir ein Paralleluniversum vor, in dem alles anders ist und doch irgendwie gleich. Wo “people go where they wanna go”, Wurzeln in den Himmel wachsen, Sänger ihre Lebensgeschichte in Versen erzählen und weit, weit entfernte Städte zu einer neuen Heimat werden.
Stell’ dir vor, du bist in einer kleinen Bar mitten im East Village, wo das Rauchen noch erlaubt ist und einsame Menschen vor der Bühne kauern, deren Herzen “drenched in red wine” sind und die “warmth to bloom” brauchen. Lach eröffnet die montagliche Open-Mike-Session, und die Sängerin Alev Lenz und ihr Klavier spielen und singen dem Publikum das Herz aus dem Leib. Eine Filmszene in Schwarz und Weiß. Tastenspiele.
Alev: Eine 26 Jahre junge blonde Lady, mit orientalischer Seele, okzidentalischem Gemüt und kosmopolitischen Visionen. Sie füllt den Raum hingebungsvoll mit lieblich klingenden Emotionen und Sensationen, und allein ihre reine Präsenz verlangt auf fesselnde Art und Weise jedermanns Aufmerksamkeit. Ihre klare, wunderschöne Stimme malt eindringlich farbenfrohe Bilder und singt 1000 und eine Story -- die Geschichten eines anteilnehmenden Menschen, der hofft, “in each other’s eyes” zu finden, wonach wir alle suchen: Liebe.
Es beginnt alles mit dem Abflug von “Flight 1701” – ein Flug ins Ungewisse. Und eigentlich eine metaphorische Erfahrung, denn „1701“ ist ihr Geburstsdatum und Alev selbst das Flugzeug. Geschichten über neue Möglichkeiten und versäumte Gelegenheiten wirbeln durch die Luft, die “silence filled with thoughts”, die “soul afraid of dying”.
Alev erinnert sich: “Inspiriert von einem deutschen Comedian, der nach New York gegangen ist, um dort bei Open-Mike-Sessions mitzumachen, habe ich beschlossen, das auch zu tun. Ich bin in ein Flugzeug gestiegen und sechs Wochen geblieben. Ich habe gesungen, gespielt, geliebt und gelebt. Seitdem komme ich, wann immer ich kann, nach New York zurück."
Ein neues Kapitel in Alevs Leben war angebrochen: hin- und hergerissen begann sie, die eben ihre alte Rockband verlassen hatte (die übrigens unter ihrem Namen weitermacht, obwohl sie nicht mehr Teil der Story ist), zu entdecken, wer sie wirklich sein wollte: ein “Storytelling, Piano Playing Fräulein” nämlich. Die Metamorphose vom Frontmädchen zu einer erwachsenen Frau, die freigiebig ihr Lieblingsinstrument, das Klavier, spielt und jede Menge Geschichten zu erzählen hat, hatte begonnen.
“Während des Hin- und Herpendelns zwischen Deutschland und meinem geliebten New York habe ich einen Produzenten in Berlin gefunden, und später auch noch einen Co-Produzenten in New York. Mit denen habe ich angefangen zu arbeiten, und das neue Material bei mehreren Auftritten vor Publikum ausprobiert. Ich habe auch andere Künstler gesehen, und die mich, und daraus habe ich viel gelernt. Ich habe Konzerte von Künstlern wie Regina Spektor und Randy Newman besucht -- Menschen, die wie ich Geschichten am Klavier erzählen. Und als ich Randy Newman sah, da wusste ich: ‚Ich kann singen und spielen und damit die Leute unterhalten. Überall! Wie es mir gefällt. Es ist möglich! Es gibt jede Menge Leute, die das machen, und es gibt sogar noch mehr Leute, denen das gefällt.’ Das war der Moment, in dem ich anfing, noch mehr Konzerte zu bestreiten, mein Songwriting zu verfeinern und komplett neue Songs zu schreiben.“
Wie ein Schwamm sog Alev neue Eindrücke auf und wurde gleichzeitig zu Wasser, das wiederum von anderen aufgesogen wurde. Ihre neue Umgebung nahm sie mit der Begeisterung einer Person an, die ihren Platz in Raum und Zeit gefunden hat. Spielend, schreibend und reisend öffneten sich Alevs Herz und Seele weiter als je zuvor, während sie sich den jeweiligen Veränderungen anpasste und diese sich auch an Alev. So passierte, worauf Alev am allermeisten gehofft hatte: Geschichten wurden zu Songs und Songs, die zu Geschichten wurden, strömten aus ihr heraus: Ihr Soloalbum nahm Gestalt an.
Eines Donnerstag abends, als Alev bei ihrem wöchentlichen Gig in einer kleinen Bar in Greenwich Village eintraf, fragte die Besitzerin: “So, jetzt erklär’ mir mal... Was machst du eigentlich genau?” Alev erwiderte: „Ich erzähle Stories.” - „Aha, und du spielst Klavier... also bist du eine ‘storytelling, piano playing’... was??? Deutsche?” - “Ja,” gab Alev zurück, und die Frau posaunte: „Also bist du ein Fräulein! Ein ‘Storytelling, Piano Playing Fräulein’”. So kam Alev zu ihrer neuen Identität und dem Namen, der später der Titel ihres Albums werden sollte. Der Kreis schloss sich, alles begann, Sinn zu machen.
„Ich begann schon sehr früh mit dem Klavierspielen,” erinnert sich Alev (deren türkischer Name übersetzt ‚Flamme’ bedeutet): „Mein erster Klavierlehrer hat mir gezeigt, wie man Geschichten auf dem Klavier erzählen kann und ließ mich improvisieren. Er brachte mir bei, wie man Emotionen in Klänge übersetzt, das bereitete mir schon damals große Freude. Später wollte ich mich einfach nur frei entfalten können, machte Krach und schrie, doch irgendwann wollte ich Klaviersongs in mein Rockband-Repertoire aufnehmen.” Das war der Zeitpunkt, an dem deutlich wurde, dass Alev von ihrem Rockstar-Leben Abschied nehmen und einen neuen Anfang machen musste. Gemeinsam mit ihrem Piano.
Alevs hell leuchtender Esprit, ihre funkensprühenden Lyrics und Arrangements treffen auf klassische Einflüsse und New Yorker Songwriter Flair. In schwarz-weiß gekleidet schwingen sie und ihr Klavier in perfekter Harmonie; zusammen klingen sie gewaltig unschuldig und doch unglaublich karmisch. Alevs eindringliche Stimme ist vielseitig und erinnert an Sängerinnen wie Beth Gibbons, Tori Amos oder Fiona Apple.
„Storytelling Piano Playing Fräulein” ist die wahre Geschichte einer Person, die sich selbst treu bleibt. Indem sie ihr Leben lebt, wie sie es leben möchte, es in all seinen Facetten bejaht und ihre Geschichten erzählt, erschließt sich Alev ihren eigenen Weg. Mit weitäugiger Neugier streckt sich die erblühende Sängerin nach der Welt aus. Ein bisschen kapriziös, ein bisschen kokett, bewegt sich Alev, halb Deutsche, halb Türkin, zwischen Orten, Emotionen und Identitäten. Dieses natürliche Talent gibt dem Fräulein seinen speziellen Flair.
Durch die Metropolen dieses Planeten wandernd, um ihren Platz zu finden, öffnet Alev überall Herzen. Voller Neugier auf das Leben, auf Männer, Liebe und Orte, wagt sie sich in die Welt hinaus, um zu Musik zu tanzen, die keiner vernimmt, und Songs zu schreiben, die von großer Reife zeugen. Wenn man ein Album wie dieses hört, lernt man, was Leben wirklich bedeutet.
text: planetkat.com










